Komplexitätsreduktion
Stakeholder in ihren Umwelten dienen der sozialen Organisation als Kommunikationsadressen und ermöglichen ihr die Differenzbildung:
- wichtiges Interesse | unwichtiges Interesse
- wichtiges Bedürfnis | unwichtiges Bedürfnis
- wichtiger Anspruch | unwichtiger Anspruch
Für die Kommunikationsadressen in den Umwelten ist das Unternehmen auch eine Kommunikationsadresse.
"...
Eine unreduzierte Komplexität ist Chaos, Komplexität muss reduziert, Unsicherheit absorbiert werden, und zwar sozial verbindlich. Über die hochkomplexe, undurchschaubare Realität wird eine einfachere, nach bestimmten sozialen Selektionsweisen entworfene und sich ständig den aktuellen Erfordernissen anpassende "zweite Realität" gelegt - wie eine Landkarte über ein Land.
Die Selektionsregeln entscheiden, was von der Welt sichtbar gemacht wird und "was unsichtbar bleibt". Dadurch wird die Realität überschauber genug, um darin sinnvoll handeln zu können; auch um Meinungen zu bilden, zu protestieren, Bestimmtes von der Politik zu fordern, anders oder sogar alles für nichtig zu erklären oder sich gleichgültig abzuwenden. Die öffentliche Meinung ist ein Beitrag zu diesen komplexitätsreduzierenden, komplexitätsreduzierten Konstruktionen.
..."
Luhmann leicht gemacht - Margot Berghaus, Seite 267
Die Stakeholder sorgen für die steigende Dynamik in den Umwelten und sind somit die Quelle zunehmender Komplexität.
Die Selektionsregeln entscheiden, was von der Welt sichtbar gemacht wird und "was unsichtbar bleibt". Je dynamischer die Ereignisse im Unternehmensumfeld (Unternehmensumwelt) werden, desto schneller muss die Unternehmensorganisation die Selektionsregeln zur Entscheidung definieren.
Je dynamischer die Stakeholder sind, desto weniger Zeit bleibt einer Unternehmensorganisation, Kausalbeziehungen in Regeln abzubilden oder bestehende Regeln zu aktualisieren. Die Entscheidungen werden vorrangig auf Basis der Prinzipien getroffen. Hier gewinnt die Wertekultur an Bedeutung:
Kontextbezogen entscheiden die Selektionsregeln und/oder die Selektionsprinzipien, was sichtbar gemacht wird und was unsichtbar bleibt.
Um die Einstellungen, das Dispositionsverhalten der Stakeholder in den Social Media Plattformen kontextbezogen verstehen zu können, sind die Selektionsregeln und die Selektionsprinzipien zur Komplexitätsreduktion zu beschreiben.

