Autodynamik

Autodynamik (autodynamic)

Die Eigendynamik des flotten Porsche-Fahrers ist auf der Autobahn bei weitem nicht so hoch wie auf der Landstraße. Erst wenn er auf der Landstraße auf Traktorfahrer, die nach einer scharfen Kurve -von einer Seitengasse kommend- plötzlich auftauchen könnten, aufpassen muss, steigt seine Eigendynamik automatisch.

Diese Fähigkeit zur automatischen Anpassung der Eigendynamik an die Umweltdynamiken müssen die Unternehmensorganisationen besitzen, um in dynamischen Unternehmens-Umwelten erfolgreich zu agieren.

Autodynamik ist ein von tural gebildetes Kunstwort bestehend aus Autopoiesis und Dynamik und beschreibt diese Fähigkeit.

  • Autodynamische Unternehmen,
  • autodynamische Prozesse,
  • autodynamische Projekte

sind in der Lage ihre Eigendynamik selbst zu bestimmen.

Autodynamik ist der zentrale Begriff unseres Managementmodells: Sie ist die wichtigste Eigenschaft von Organisationen in globalen Unternehmens-Umwelten.   

Autodynamik ermöglicht uns die verschiedenen Systemtypen zuerst zu unterscheiden, um anschließend komplementär integrierend zu beschreiben:

  • Trivialsysteme, die sich nicht selbst produzieren und reproduzieren (von anderen gemachte Systeme wie Automaten, Uhren)
  • Systeme, die sich selbst produzieren und reproduzieren:
  • lebende Organismen bzw. biologische Systeme, die durch Leben operieren
  • psychische Systeme, die durch Bewusstseinsprozesse wie Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen, Aufmerksamkeit operieren,
  • soziale Systeme, die durch Kommunikation operieren
  • Interaktionen
  • Organisationen
  • Gesellschaft

Autopoiesis

In Unternehmensorganisationen, Prozessen, Projekten existieren diese Systemtypen ineinander verwoben.

Schön haben sie das wichtigste Merkmal von Unternehmen beschrieben, die alten Griechen:

autós : selbst, poiein : erschaffen; schöpfen

Autopoiesis bezeichnet die Reproduktion von Elementen eines Systems durch das System selbst. Unternehmen sind autopoietische Systeme.

Die Umwelten eines Unternehmens können weder seine Elemente konstituieren noch seine Operationsweise direkt verändern.

Autopoiesis + Dynamik - Ashby, Maturana und Luhmann treffen sich bei tural

Als autopoietische Systeme sind Unternehmen operativ geschlossen. Ihre Umwelten spüren sie am Dynamikgefälle. Da sind Druckpunkte und Stellen zu suchen, auf die ein Unternehmen sensibel reagiert. (Dasselbe gilt es übrigens auch für einen Prozess.)

Ist die Umweltdynamik größer als die Eigendynamik hat das Unternehmen ein Problem. Es spürt den Druck der nächsten Umwelt, den vom Markt. Hier ist der Druckpunkt, den (Prozess-)Manager zu identifizieren haben. Hier schließt sich das Unternehmen an seine Umwelt an.

Ist die Eigendynamik größer als Umweltdynamik könnte das Unternehmen Marktvorteile aber auch Probleme haben:

  • Überrascht das Unternehmen seine Mitbewerber mit außergewöhnlichen Ideen, Produkten, Services, so ist es erfolgreich.
  • Wird im Unternehmen aufgrund des kreativen Potenzials sehr viel nice to have gemacht, ohne dass man auf dem Markt dafür Abnehmer findet, dann hat es ein Problem.

An dieser Stelle erweitert William Ross Ashby unsere Sichtweise:

autodynamik

 

Nur Unternehmen, die über mindestens so viel Eigendynamik wie die Dynamik ihrer Umwelt verfügen, können erfolgreich sein. Unternehmen reagieren permanent auf Veränderungen in ihren Umwelten, allen voran in ihrer Umwelt Markt. Sie versuchen, die Dynamikdifferenz für sich selbst in Gebrauch zu nehmen. Dadurch sind sie ständig im Werden, ständig in Re-Konstruktion. Sie spüren die Druckpunkte und schrauben an den Stellhebeln, um die Eigendynamik auf das Niveau der Umweltdynamik anzuheben.

Die Eigendynamik der Mannschaft steigert sich, wenn die Super-Tanker und Container-Schiffe durch eine Meerenge wie Bosphorus fahren. In den weiten Ozeanen sinkt die Eigendynamik auf das Niveau der Umwelt.

Dieses permanente Reagieren auf die Umweltdynamiken führt im unternehmerischen Kontext zum laufenden organisationalen Wandel: Autodynamik