Unternehmensprozesse (Business Processes)
Den Begriff Prozess definieren wir an erster Stelle nach betriebswirtschaftlichen Aspekten: Alle Aktivitäten in einem Unternehmen werden in Arbeitsprozessen erbracht, für die das Unternehmen Geld investiert und erwartet, den Kunden seine Marktleistungen gewinnbringend zu verkaufen.
Unternehmen verbrauchen ihre knappe Ressourcen, um Wert zu schöpfen. Wertschöpfung ist die Erzeugung von Wert unter den Bedingungen von Unternehmensumwelten, insbesondere von Wettbewerber und Lieferanten. Der Wert ist die Fremdreferenz, die definiert, ob die Aktivitäten in einem Unternehmensprozess wertschöpfend sind oder nicht.
Es gibt drei Kategorien der Unternehmensprozesse. Für die wertschöpfenden Leistungserstellungsprozesse, die den Kern der Geschäftsprozesse bilden, erbringen alle anderen Kategorien Leistungen:
- Geschäftsprozesse
- Managementprozesse
- Unterstützungsprozesse
Wenn die Ergebnisse der wertschöpfenden Leistungserstellungsprozesse von den Kunden nicht bezahlt werden, können Unternehmen die anderen Prozesse nicht finanzieren.

Aktivitäten in einem Unternehmen werden in Prozessen erbracht, die sich durch sichtbare oder unsichtbare Muster charakterisieren lassen.
Ein Prozess bildet sich durch die zeitbezogene Vernetzung von Operationen, die auf einen gemeinsamen Arbeitsinhalt beziehen. Die Operationen können trivialer und nichttrivialer Typ sein.
Triviale Prozessanteile können wie eine Maschine gestaltet werden, damit die richtigen Eingangsgrößen die geplanten Ausgangsgrößen liefern. Die Funktion von trivialen Prozessanteilen ist vorgesehene Ursache mit vorgesehenen Wirkungen zu verknüpfen. Die Kommunikation im Prozess kann durch Workflow Management Tools weitestgehend standardisiert werden. Die vollautomatischen Montageanlagen bestehen überwiegend aus trivialen Prozessanteilen. Sie sind zwar kompliziert, haben aber alle Wirkungen eine kausale Ursache.
Der zweite Anteil der Prozesse, der nicht als ein geschlossenes Ganzes betrachtet werden kann: Nichttriviale Prozessanteile.
In diesen nichttrivialen Prozessanteilen kann das menschliche Tun (und Lassen) nur bis zu einem gewissen Grad automatisiert bzw. standardisiert werden. Für den Prozesserfolg müssen die Prozessbeteiligten einmalige (d.h. nicht repetitive) Entscheidungen treffen können. Dafür müssen wir das Basiselement Kommunikation gänzlich anders als bisher auffassen und beschreiben. Durch die Vernetzung von Operationen reproduziert sich das soziale System laufend selbst. Die Prozessorganisation ist ihren Umwelten gegenüber strukturell offen und gleichzeitig operational geschlossen.
Die Prozessorganisation führt permanent eine Selbstreferenz | Fremdreferenz Differenzierung durch und kopiert die Informationsdifferenz in die Organisation hinein. Nichttriviale Prozessanteile als soziale Systeme sind komplex. Prozessform und Prozessinhalt sind untrennbar verbunden.
Die meisten herkömmlichen Ansätze zur Prozessgestaltung, Prozessmodellierung, Prozessoptimierung fokussieren lediglich auf die Trivialisierung der Unternehmensprozesse. In dynamischen Umwelten sind sie nicht brauchbar.

